Ich habe mich vor kurzem von meinem Freund getrennt. Das war sehr hart für mich. Denn ich mochte seine Eltern sehr gern.
Ich mochte auch ihn sehr gern, das sollte Grundvoraussetzung in einer Beziehung sein. Aber zu dem Zeitpunkt, an dem man über Trennung nachdenkt, läuft in der
Beziehung ja bereits etwas verkehrt.
Die Beziehung zu seinen Eltern war perfekt. Und es ist schon ein befremdliches Gefühl, man fühlt sich schon etwas verwerflich, wenn eines der ersten Dinge, die einem einfallen, wenn man den Schritt zur Trennung erwägt ist: Aber die Eltern…

Vielleicht war die Distanz zwischen mir und meinem Ex-Freund auch schon zu groß. Ich hab mich eigentlich noch in der Beziehung allein gefühlt. Das Schlussmachen war trotzdem hart. Wegen der Eltern…
Nein, nicht nur wegen der Eltern, natürlich nicht nur wegen der Eltern. Wir waren immerhin viereinhalb Jahre zusammen – das ist viel Zeit, sich an die Eltern des anderen zu gewöhnen.
Ich habe mich letztendlich schon ein bisschen gefühlt, als würde ich eigentlich mit seinen Eltern Schluss machen. Sie waren immer interessiert, kamen mit Geschenken, haben mit mir getrunken, wenn er nur auf der Couch saß – und sie hatten so weit vorausgedacht. Sie wollten sogar eine Wohnung in Berlin für ihren Sohn und mich kaufen. Das war wahrscheinlich ein bisschen naiv, weil ich nicht glaube, dass sie sich mit den aktuellen Immobilienpreisen in Berlin befasst haben, aber der Gedanke zählt.
Fakt ist, ich habe mich selten so geborgen gefühlt wie bei seinen Eltern. Deshalb glaube ich auch, dass ich nie wieder eine Beziehung führen kann.

Neulich hab ich einen Typen kennen gelernt. Er war sehr süß und, glaube ich, anfangs auch sehr interessiert. Irgendwann hat er mich ziemlich schräg angesehen.
Ich hab ihn konfrontiert: „Stelle ich dir zu viele Fragen?“
„Warum fragst du mich ständig, ob meine Mutter Pilates macht?!“
In der Situation muss man sich erst mal einen Satz einfallen lassen, der das alles möglichst kurz und zutreffend erklärt. Mir ist keiner eingefallen. Mir fällt in solchen Situationen nie etwas ein. Ich hab dann gesagt „Tschüss“ und bin weggegangen.
Im Nachhinein vielleicht auch nicht die beste Reaktion, aber ich war immer schon schnell überfordert. Die Eltern meines Ex-Freundes hatten dafür Verständnis.

Nach längerer Zeit plötzlich wieder Single zu sein, IST auch überfordernd, auch ganz elternunabhängig. Manchmal gerät man plötzlich in Situationen, mit denen man sich vorher gar nicht mehr auseinandergesetzt hat, man war ja vergeben, das kann in bestimmten Lagen auch eine Art Sicherheitsnetz für das eigene Empfinden sein. Plötzlich fällt einem wieder auf, wie unendlich schlecht die Avancen der meisten Leute sind.
Neulich, als ich mit meiner besten Freundin tanzen war, waren wir ziemlich bald mehrerer solcher Avancen ausgesetzt. Irgendwann überkam mich dann dieses Tief, das oft nach einem Hoch eintritt, zum Beispiel, wenn man zu viel Sekt getrunken hat, und ich bin heulend von der Tanzfläche gelaufen.
Die waren einfach alle so unglaublich schlecht erzogen.

Was macht man in so einer Situation? Wenn man Liebeskummer nach den Eltern hat. Da klappen nicht mal die üblichen Sprüche. Genug Fische im Teich. Das lässt sich auf Eltern irgendwie nicht anwenden. Auch der Topf-und-Deckel-Spruch lässt Eltern total außen vor. So als wären in einer Beziehung immer nur zwei Menschen betroffen. Als wären die Eltern total egal!
Andererseits – ist das überhaupt fair? Wenn jemand mich nach meinen Eltern bewerten würde, ich will gar nicht darüber nachdenken, mit was für einem Menschen ich dann letzten Endes zusammenkäme! Deshalb sage ich vorsichtshalber immer einfach, dass meine ganze Familie schon tot ist.
Ich hab länger überlegt, ob ich den Eltern meines Ex-Freundes schreiben soll. Ihnen erklären soll, dass es nicht an ihnen liegt. Und auch nicht an ihrem Sohn, obwohl das eigentlich nicht stimmt, aber ich will ja, dass sie mich noch mögen. Aber wo sollte das hinführen? Zu heimlichen Treffen? Wenn Schluss ist, ist Schluss. Man muss abschließen. Das Leben geht weiter.
Die Eltern des Verlobten meiner besten Freundin haben ihr und mir zu Weihnachten ein ziemlich großzügiges Geschenk gemacht. Die brauchen natürlich nicht denken, dass ich mich so leicht gewinnen lasse! Aber für etwas Platonisches bin ich durchaus offen.
Und auch wenn ich jetzt denke, dass ich nie wieder lieben können werde.
Irgendwann wird mein Herz wieder frei sein.
Andere Söhne haben auch schöne Eltern.

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